Die häufigen Zugriffe auf die Impressum-Seite, im seit Jahren bestehenden achso-ein-schwarzes-Schaf-Blog – der nun auf dieser Website integriert ist – haben mich verblüfft.
Vermutlich habe ich die Neugier der Menschen unterschätzt, herauszufinden, mit wem sie es zu haben.
Diese Neugier soll dieser Beitrag stillen.
Ein Lebenslauf im üblichen Sinne ist allerdings nicht zu erwarten. Wozu auch? Die typischen Lebensläufe spiegeln nie die tieferen Beweggründe für Entscheidungen und Taten wider. Und das sind die, die zählen.
Was sagt schon ein beruflicher Werdegang aus?
Gute Anpassungsfähigkeit?
Wie auch immer. Wer ehrlich zu sich selbst ist, kann offen zugeben, Entscheidungen oft aus dem Bauch heraus getroffen zu haben.
Ist das unvernünftig? Mag sein. Doch wer weiß schon, wenn er handelt, wohin dies letztlich führt. Und ob es in der Nachschau von einem selbst als gut befunden wird. Nicht ohne Grund gibt es bei vielen den insgeheimen Wunsch, noch einmal neu anfangen zu können.
Natürlich versehen, mit dem gegenwärtigen Wissen.
Doch solche Wunschträume sind müßig. Jeder muss mit den bisherigen Entscheidungen und Taten leben. Denn sie haben jeden von uns zu dem gemacht, der er ist.
In der Vergangenheit zu verharren und womöglich in Schuldgefühlen zu wühlen, mag durch Bedauern kurzfristig Entlastung bewirken. Doch Veränderung ist nur im Jetzt möglich. Dieses Bewusstsein ist es, was letztlich Distanz schafft. Zu Vergangenheit, als auch zu imaginierter Zukunft.
Menschliche Reife benötigt Demut. Und zwar in jener Art von Bescheidenheit und Ergebenheit, die die Sündhaftigkeit, Kleinheit und Beschränktheit des Menschen anerkennt.
Erfolg, im Sinne von Wohlstand, Status, Ruhm ist da eher hinderlich. Er bläht gern das Ego auf, einem Luftballon gleich. Und zwar so lange, bis der Druck so stark anwächst, dass Veränderung unausweichlich wird. Entweder, weil der Luftballon sprichwörtlich zu platzen droht, schlimmstenfalls tut er es auch, oder weniger dramatisch, die Luft kontrolliert abgelassen werden muss.
Was auch geschieht, der Weg danach, ist steinig.
Gescheiterte, einst hochgelobte Unternehmer, wissen ein Lied davon zu singen. Auch „abgestürzte“ Politiker und ebensolche, ehemals den Medienhimmel bevölkernde Promis. Die dann geplagt von Depressionen gern in noblen Suchtkliniken Erleichterung suchen.
Statt ihr Schicksal zu beklagen, sollten sie dankbar sein. Dankbar dafür, wieder die Chance zu haben, menschlich zu werden. Fehlerbehaftet, mit der Fähigkeit zur Empathie, Toleranz und dem Willen zur Kooperation.
Meine frühzeitigen „bescheidenen“ beruflichen Abstürze, die auch Änderungen von fehlgeleiteten Weltsichten mit sich brachten, waren mir, neben Suchtverhalten, Warnung genug. Umkehr hieß die Maxime. Weg vom Erfolgsstreben und der Geldgier. Hin zum wirklichen Leben. Zum Kern, dem tieferen Sinn.
Das Werkzeug dazu: Reflexion und Suche.
Und auf diesem Weg befinde ich mich nach wie vor. Viel Neues ist mir auf dem Weg begegnet. Eines der mir wichtigsten Entdeckungen dabei: Yoga.
Dessen spirituelle Hintergründe mich noch immer faszinieren und dessen Methoden mir beim Verarbeiten des Themas Sucht sehr hilfreich waren und auch noch immer sind.
Nikotin und Koffein begleiteten mich seit dem sechzehnten Lebensjahr. Und als das zur Alltagsbewältigung auch nicht mehr genügte, griff ich auch vermehrt zum Alkohol. Wahrlich keine weise Entscheidung. Erst die selbst verordnete Abstinenz der Suchtstoffe, mit Anfang dreißig, eröffnete mir den tieferen Zugang zu Spiritualität und Gottesgewissheit. Und die Erkenntnis, dass Sucht ein Seelenleiden ist.
Nicht lange nach der Entdeckung des Yoga erfolgte nach und nach die Umstellung auf vegane Rohkost.
All das ist jetzt schon viele Jahre her und berührt mich im Alltag nur wenig. Weder vermisse ich das Nikotin noch den Alkohol oder das Koffein. Und auch die Abstinenz von Fleischkonsum und tierischen Produkten, die fast immer mit Tierleid in Verbindung stehen, weckt keine tiefere Begierde mehr.
Diese freiwillige Enthaltsamkeit bedeutet jedoch nicht, dass ich gänzlich von Suchtverhalten frei wäre. Oder genauer gesagt, eine gewisse Suchtaffinität hätte.
Suchtverhalten, darüber habe ich im schwarzen Schaf Blog ja schon mehrmals geschrieben, ist vielfältig und es begleitet mich. Als Herausforderung.
Denn wer die Lehre des Yoga ernst nimmt, wird zwangsläufig, wieder und wieder, damit konfrontiert. Mal mehr, mal weniger stark.
Bei mir sind es, wenn betroffen, nun vor allem, die nicht stofflichen Ebenen.
Was es nicht einfacher macht. Weil es nicht mehr darum geht, einem Suchtstoff ade zu sagen, sondern einer allzu starren Weltsicht oder einem obsessiven Verhalten. Denn, eines weiß ich inzwischen: Ausweichverhalten – und jedes Suchtverhalten ist ein solches – funktioniert auf Dauer nicht. Bei niemandem.
Demzufolge bin ich froh, den Yogapfad entdeckt zu haben. Yoga verhindert nämlich den Selbstbetrug. Die Bewusstheit, die Achtsamkeit, die dieser Weg verlangt, zeigt ihn umgehend an. Durch unruhigen Atem und körperliche Verspannungen.
Wie ich es auch drehe und wende, wer diesen Weg zur Erleuchtung, zur Weisheit einschlägt, braucht Durchhaltevermögen und eine gehörige Portion Frusttoleranz.
Und ohne Spiritualität, die Gewissheit, in einen größeren Zusammenhang eingebettet zu sein, ist er gar nicht erst begehbar.
Aus dieser Gewissheit stammt meine Kraft. Sie ist mein Antrieb. Sie gibt Hoffnung. Die Hoffnung, den Weg ins Licht bis ans Ende gehen zu können.
Dass der Verstand dabei nicht abgegeben werden muss, will ich ausdrücklich betonen.
Denn auch der hat seinen Platz. Doch nicht den, der ihm gern zugewiesen wird. Von Ignoranten, die die Macht der Intuition und der Gefühle gern leugnen.
Schon im Kindesalter wird der Fokus darauf gerichtet. Unsere Schulen sind Institutionen einseitiger Verstandesschulung. Der Intellekt gilt als Maßstab. Und bringt Menschen hervor, denen es an Empathie mangelt.
Der Bewegungsdrang, das Lebendige und der Neugier zugewandte Wesen der Kinder wird Zug um Zug eingeengt, um einen Lehrplan zu erfüllen, der Fakten, Wissensanhäufung, Anpassung und nicht Erfahrung in den Vordergrund stellt.
Schon im ersten Schuljahr hat mich dieser Anpassungsdruck zutiefst desillusioniert. Er hat mich dazu gebracht, wesentliche Teile von mir zu verleugnen.
Stellvertretend sei dafür meine Linkshändigkeit genannt.
Innerliche Abschottung war das Resultat.
Als Erwachsener hat es dann Jahre gedauert, diese Muster zu durchbrechen.
Und die dabei beinahe beiläufige Entdeckung des Autodidaktischen war mir regelrecht eine Offenbarung.
Gänzlich neue Möglichkeiten taten sich auf. Der Geldverdienst trat für mich in den Hintergrund.
Für das Nötigste sorgte ich.
Jahrelang gab ich allen nur möglichen Interessen nach. Las, dachte nach, fühlte, reflektierte, meditierte, übte Asanas, las und las.
Und lehrte mich zu dieser Zeit auch das versierte Schreiben. Ein umfangreich geplantes Buchprojekt beschäftigte mich jahrelang. Bis ich es dann, als überzogen konzipiert, aufgab.
Gegen Ende dieser Lehrzeit wuchs das Bedürfnis einen Wechsel der äußeren Lebensumstände vorzunehmen.
Großstadt ade. Hinaus aufs Land.
Meine Wahl fiel dann auf das waldreiche Bundesland Rheinland-Pfalz. Nicht allzu weit weg von der Region in der ich meine Kindheit und frühe Jugend verbrachte. Deren hügelige und waldreiche Landschaft mir schon lange fehlte. Besonders den Weitblick, den sie oft bietet.
Es zog mich an die Mosel, mit ihrer malerischen Landschaft und dem mediterranen Klima, dem ich schon als Kind erlegen war.
Mit dem Erwerb stillgelegter Weinberge, auf denen ich seit einigen Jahren Obstbäume anpflanze, habe ich mir dann einen Herzenswunsch erfüllt.
Entstehen soll daraus irgendwann mal ein Waldgarten, dessen Entwicklung ich im „jenseitigen-Wald-Blog“ begleiten will.
Immer wenn ich dort bin, mich am Blick über das Moseltal erfreue und die Kraft der Bäume der umliegenden Wälder spüre, fühle ich eine tiefe Verbundenheit. Für mich ist es mittlerweile ein spiritueller Ort. An dem mir das Meditieren leicht fällt.
Auch den zeitweiligen Abstand zum alltäglichen wirtschaftlichen und politischen Wahnsinn, der einem im Alltag, oft auch unfreiwillig, begegnet, nehme ich mit Freude. Selbst wenn es manchmal nur wenige Stunden sind.
Wohl an. Wer mich auf meinen Reisen begleiten möchte, ob spiritueller, ökologischer, ökonomischer oder politischer Art, ist hier, auf dieser Website herzlich willkommen.
Wenn dann hier der eine oder andere zum Nachdenken animiert wird und auf Anregungen trifft, wie den Herausforderungen, die die Menschheit derzeit fordern, begegnet werden kann und dadurch zur Aktivität animiert wird, hat sich der Einsatz, den dieses „Website-Projekt“ erfordert, schon gelohnt.
Timothee Kavi, im Sommer 2025
