{"id":169,"date":"2021-01-09T08:56:00","date_gmt":"2021-01-09T07:56:00","guid":{"rendered":"https:\/\/achso-ein-schwarzes-schaf.de\/?p=169"},"modified":"2024-07-06T05:29:48","modified_gmt":"2024-07-06T03:29:48","slug":"himmlich-roh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/timotheekavi.com\/achso-ein-schwarzes-schaf\/2021\/01\/09\/himmlich-roh\/","title":{"rendered":"Himmlich roh"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-drop-cap wp-block-paragraph\">Nun, hier auf diesem Kanal ja jetzt bekannt als Freund von Obst und Gem\u00fcse und N\u00fcssen, erweitere ich den Umfang und erg\u00e4nze D\u00f6rrobst und D\u00f6rrgem\u00fcse, Oliven, Champignons, Reis-, Sonnenblumen-, Sesam- und Dinkelkerne, nicht zu vergessen: K\u00fcrbiskerne, als auch eigen gezogene Sprossen, jeglicher Herkunft. Bei etwas nachdenken w\u00fcrde mir sicher noch mehr einfallen. Doch was ich zeigen will ist die Vielfalt. Die riesige Auswahl, die zur Verf\u00fcgung steht. Etwas was mein Gegen\u00fcber oft nicht sehen konnte. Der Schrecken war f\u00f6rmlich ins Gesicht geschrieben, wenn er oder sie sich vorstellte ausschlie\u00dflich Rohkost zu sich zu nehmen. Alles roh? Nichts gekocht? Nichts gebacken oder ged\u00fcnstet? Ach herje nicht doch. Wer tut sich denn so etwas an? Bist du Masochist? Oder musst du f\u00fcr irgend etwas b\u00fc\u00dfen? Oder ist das was Religi\u00f6ses?<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das war das, was ich vor gut zwanzig Jahren, als ich meine Ern\u00e4hrung radikal umstellte, an Reaktionen erntete. Schon die Vorstellung allein, geschweige denn die Umsetzung, trieb anderen f\u00f6rmlich den Schwei\u00df auf die Stirn.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mich hatte die Idee in einem Kaufhaus, w\u00e4hrend des st\u00f6bern in einem B\u00fccherw\u00fchltisch \u00fcberfallen. Aus heiterem Himmel. Ein Buch \u00fcber Rohkost war es, in dem ich zu lesen begann. Kurios fand ich die Idee. Und da es preiswert war, ich glaube es kostete nur 2 DM, nahm ich es mit.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Anfangs sehr distanziert, lies ich mich mehr und mehr in die Welt der Rohkost hinein ziehen. L\u00e4chelte \u00fcber die Beschreibung und den Slogan von \u201ehimmlichen Phasen\u201c, womit der Verzehr von besonders, wirklich besonders au\u00dfergew\u00f6hnlich gut schmeckenden Nahrungsmitteln beschrieben wurde, wenn erst einmal die Umstellungszeit \u00fcberstanden w\u00e4re. Staunte \u00fcber die Erw\u00e4hnung gesundheitlicher Auswirkungen. Und dar\u00fcber wie viel Lebensqualit\u00e4t dadurch gewonnen werden k\u00f6nnte.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Nach wie vor war ich skeptisch. Aber der Gedanke an Rohkost lies mich mehrere Wochen nicht los. Es war wie ein Virus der sich einnistet und nicht verschwinden will. Also ergab ich mich.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Sagte mir: Ok, vier Wochen; vier Wochen testet du es; dann entscheidest du. Nur: es gab schlie\u00dflich nichts mehr zu entscheiden. Die Entscheidung war gefallen. Es gab kein zur\u00fcck mehr.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das ist jetzt gut zwanzig Jahre her.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Heutzutage rede ich nur sehr selten \u00fcber meine Ern\u00e4hrung. Die engere Verwandtschaft hat es als Marotte abgetan und l\u00e4sst mich gew\u00e4hren. Am Arbeitsplatz wird es, wenn \u00fcberhaupt, nur dann Thema, wenn mal wieder ein Fest ansteht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Zu Anfang hatte ich noch viele Gespr\u00e4che dar\u00fcber. Besonders meiner Mutter, die immer gerne ihre Kinder und Enkel beim selbst gekochten Essen um sich scharrt, fiel es schwer, meiner Argumentation zu folgen. Und insgeheim f\u00fchlte sie sich wohl auch angeklagt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Das was ich in dieser Zeit gelernt habe, l\u00e4sst sich unter dem Satz: \u201e\u00fcber Geschmack l\u00e4sst sich streiten\u201c \u2013 oder \u201ewas dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall\u201c, zusammen fassen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Nahrungsaufnahme ist f\u00fcr alle Menschen ein existenzielles Erlebnis. Das wissen darum mag uns Westlern in den letzten Jahrzehnten abhanden gekommen zu sein. Aber es ist da. Regelrecht in die Gene eingebrannt. Und Essensaufnahme ist nicht nur f\u00fcr die Erhaltung des K\u00f6rpers wichtig, sondern hat auch soziale Funktion. Kenntlich beim Familienessen, dem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck, dem Festessen, Hochzeitsessen, dem gemeinsamen Essen im Restaurant, dem gemeinsamen Schlemmen in der Konditorei. Wer da nicht mitzieht, stellt sich au\u00dferhalb. Ist beinahe eine Bedrohung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als die werden auch Veganer wahrgenommen, die angeblich der gro\u00dfen Mehrheit ihren Fleischverzehr madig machen wollen. Noch einmal: Auseinandersetzungen zum Thema Ern\u00e4hrung f\u00fchren zu nichts, au\u00dfer zu Dissonanzen. Das Thema ist einfach zu emotional besetzt.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder hat selbst die Verantwortung f\u00fcr sich. Kann sich informieren. Kann Verschiedenes ausprobieren. Kann sich dar\u00fcber auch streiten, wenn er will. Und muss dann halt mit den Folgen der Entscheidungen leben.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wobei es derzeit in Kreisen der Ern\u00e4hrungswissenschaftler nur wenig Dissens gibt, das ein hoher Rohkostanteil in der Ern\u00e4hrung, von Vorteil ist.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Aber ob das letztlich wirklich so ist, ist eine ganz andere Frage. Denn ohne Zweifel kann Ern\u00e4hrung auch ein Politikum sein (siehe die o.a Bemerkung zu den Veganern). Das f\u00fchrt dann aber zu anderen Baustellen, zu denen ich in Zukunft sicherlich noch das eine oder andere zu sagen habe.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Auch in Bezug auf Suchtverhalten und psychische St\u00f6rungen bei der Essensaufnahme.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Mein Ansatz war immer der, nicht einfach zu glauben, sondern zu pr\u00fcfen. Und meine Pr\u00fcfung der Rohkost, ist zu deren Gunsten ausgefallen. Das mag bei jemand anderem kontr\u00e4r ausgehen. Und das ist in Ordnung.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Als Zusatz nun noch ein link zu einem wissenschaftlicher Beitrag, der sich mit sogenannten Maillard Molek\u00fclen besch\u00e4ftigt. Unter dem Namen \u201eAcrylamid\u201c haben sie in Lebensmitteln vor Jahren geh\u00f6rig Schlagzeilen gemacht.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\"><a href=\"https:\/\/www.uni-heidelberg.de\/presse\/ruca\/ruca3_2002\/bierhaus.html\" target=\"_blank\" rel=\"noreferrer noopener\">https:\/\/www.uni-heidelberg.de\/presse\/ruca\/ruca3_2002\/bierhaus.html<\/a><\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Maillard Reaktion und deren Abwesenheit beim Rohverzehr, ist einer der Gr\u00fcnde, warum mir die Rohkost so sympathisch ist.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nun, hier auf diesem Kanal ja jetzt bekannt als Freund von Obst und Gem\u00fcse und N\u00fcssen, erweitere ich den Umfang und erg\u00e4nze D\u00f6rrobst und D\u00f6rrgem\u00fcse, Oliven, Champignons, Reis-, Sonnenblumen-, Sesam- und Dinkelkerne, nicht zu vergessen: K\u00fcrbiskerne, als auch eigen gezogene Sprossen, jeglicher Herkunft. Bei etwas nachdenken w\u00fcrde mir sicher noch mehr einfallen. 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