Deshalb bitter, weil die derzeitige politische Situation absurd und tragisch zugleich ist.
Drei beteiligte Länder (Iran, Israel, USA und ihre Verbündeten) und drei abrahamitische Religionen, die sich auf denselben Gott berufen, stehen sich in einem blutigen Konflikt gegenüber.
Und das, obwohl alle drei, mitsamt den Unterstützern, in ihren heiligen Schriften, dasselbe Verbot haben.
Und alle brechen es systematisch.
Wenn Gott wirklich zuschaut – und die Schriften behaupten, er tut es –, dann kann sein Lachen nur bitter sein.
Es ist das Lachen über eine Menschheit, die seit gut 3000 Jahren dasselbe Verbot der Zinsnahme ignoriert, während sie sich gegenseitig umbringt und dabei noch ruft: Gott ist auf unserer Seite.
Wieder einmal wird mit religiösen Kategorien gekämpft: Messias, Mahdi, Armageddon, Apokalypse. Um nur vier aktuell gebrauchte Schlagwörter zu nennen.
Wieder einmal wird so getan, als ginge es um Glauben gegen Unglauben, um Gut gegen Böse.
Aber was ist, wenn die logische Frage gar nicht lautet: Wer glaubt richtig?
Sondern: Wer verstößt gegen das gemeinsame Gebot aller drei abrahamitischen Religionen? Und wer erntet dafür Gottes gerechten Lohn?
Was, wenn dieses Gebot ausgerechnet das ist, das heute niemand mehr hören will, nämlich die Lösung all der Probleme.
Verboten – der Raub durch Zins. Stattdessen: Teilt. Gebt zurück. Schließt Frieden.
In der Tora steht geschrieben: Du sollst deinem Bruder kein Geld auf Zins leihen (3. Mose 25,37; 5. Mose 23,19).
Im Evangelium: Jesus jagt die Geldwechsler aus dem Tempel und lehrt: Erlöse uns von unseren Schulden (Mt 6,12).
Im Koran der Satz: „Diejenigen, die Zins verschlingen, stehen (am Tag der Auferstehung) nicht anders da als einer, den der Satan durch Berührung in Wahnsinn getrieben hat.“ (Sure 2,275).
Drei Religionen, drei klare Verbote. Doch ein gemeinsamer Kern: Zins ist Ausbeutung der Schwachen durch die Starken.
Und alle drei brechen es – nur mit unterschiedlichem Etikett.
Der Westen (USA/EU/Israel) macht es offen: Zins als Grundprinzip der globalen Ökonomie.
Der Iran macht es verdeckt: Formal Riba-frei, aber in der Praxis laufen Gewinnmargen oft höher als westliche Zinsen, und die Bonyads (Revolutionsstiftungen) konzentrieren Reichtum bei einer Elite, während die Masse unter Inflation und Existenzdruck leidet. Und noch dazu existentiell von den Bonyads abhängig ist.
Was ebenso wie hohe Schulden im reinen Kapitalismus, Gefolgschaft erzwingt.
https://www.clingendael.org/publication/beyond-irgc-rise-irans-military-bonyad-complex
Beide Seiten verletzen dasselbe Gebot. Beide Seiten finanzieren ihre Kriege mit Schulden, die auf dem Prinzip Zins basieren. Womit riesige Summen in die Kassen der Profiteure gelenkt werden.
An der Börse wird schon wieder der legendäre Ausspruch eines ehemals weltberühmten Börsianers zitiert, der sagte: „Kaufe, wenn die Kanonen donnern – verkaufe, wenn die Violinen spielen.“
Beide Seiten lassen die Massen zahlen – die einen durch Inflation und Steuern, die anderen durch Subventionskürzungen und Armut. Gar nicht zu reden von den fehlgeleiteten Soldaten, die ihr Leben für eine riesige Lüge, auf dem Schlachtfeld lassen.
Und nicht nur sie – sondern auch die Bombenopfer in verbliebenen Trümmern und zerstörten Bunkern zahlen mit ihrem Leben.
Wenn Gott wirklich zuhört und zuschaut – und die Schriften behaupten, er tut es –, dann kann sein Lachen nur bitter sein. Sinnierend über ein Volk, das im Prinzip seit gut 3000 Jahren weiß, was richtig ist, und es trotzdem nicht tut.
Schmerzlich über Gläubige, die beten: Erlöse uns von unseren Sünden, aber sofort klagen, wenn sie Schulden erlassen sollen.
Und verzweifelnd über eine Weltbevölkerung, die Kriege angeblich um „Glauben“ führt, während sie alle demselben Götzen dient: dem Zins. Der Egoismus fordert. Und Gewinn um jeden Preis.
Noch dazu durch hohes Einkommen, Macht verspricht – Macht, die dann um ihren Selbsterhalt kämpft.
Ja, nun. Für wen wird Gott sich entscheiden? Für die, die das Zinsverbot offen brechen, oder jene, die es formal einhalten, aber faktisch umgehen?
Oder wird er sich gar nicht entscheiden – weil beide Seiten dasselbe Gebot missachten? Und er auf deren Einsicht hofft.
Vielleicht lacht er weiterhin einfach nur ungläubig. Über die Dummheit des Menschengeschlechts, das sich gegenseitig umbringt – und dabei noch glaubt, es tue das in seinem Namen.
Natürlich lässt sich jetzt fragen: Wer verstößt am krassesten gegen das gemeinsame Gebot? Doch die Frage ist schon im Grundsatz falsch gestellt – denn der wahre Feind ist das Zinssystem selbst. Die Ausgestaltung nur eine Randerscheinung. Eine Nebensächlichkeit.
Wenn das erst einmal erkannt ist, stellt sich die wirkliche Frage. Was nun?